Ludwigshafen: Festival des Deutschen Films zieht Bilanz

Festival des Deutschen Films 2022
Festival des Deutschen Films 2022 / Foto: Hannes Blank

Ludwigshafen. Ca. 88.000 Eintrittskarten hat das Festival des Deutschen Films verkauft und nun ein Defizit von 250.000 Euro. Das entspricht einem Etat-Minus von 25 Prozent, was viel klingt, im deutschen Kulturbetrieb 2022 aber noch moderat ist.

Es wurden aus Rücksicht auf die Anwohner keine Spätvorstellungen mehr gemacht und die Zahl der Sitzplätze in den Kinos von 1200 auf 900 verringert. Da das Wetter im Großen und Ganzen mitspielte, werden diese beiden Faktoren als entscheidend für das Defizit genannt.  „2023 müssen wir 100.000 Besucher haben!“, gab Festivaldirektor Michael Kötz auf der Abschluss-Pressekonferenz als Ziel für das nächste Jahr aus.

Wie war sie denn, die „Volljährigkeitsausgabe“ (18.) des Festivals des Deutschen Films auf der Parkinsel in Ludwigshafen? Der subjektive Eindruck ist: Die Besucher und die Gäste kamen gerne wieder. Es waren zwar fast immer noch Sitzplätze frei, aber „leer“ war es offenbar nie auf dem diesjährigen Festival.

Das Publikum ist in gewisser Weise speziell. „Nur ein Viertel bis ein Drittel geht normalerweise ins Kino, wir sind kein Cineastentreff“, schätzt Michael Kötz, „Weinschorle trinken ist ein wesentlicher Aspekt“. Was ein wenig despektierlich klingt, ist das große Plus der 19tägigen Veranstaltung. Nämlich die pfälzer Gemütlichkeit. „En schöne Film sehe und  dann zusamme hocke“ lautet offenbar das Credo. Hektik in der Warteschlange, obwohl der Film eigentlich schon seit 15 Minuten laufen sollte? Fehlanzeige. Für diese Entspanntheit bot und bietet das Festival direkt am gemächlich dahinfließenden Rhein den Raum und ist deswegen wahrscheinlich das besucherstärkste Filmfestival Deutschlands nach der Berlinale.

2023 waren besonders viele Komödien und Dramen mit Happy-End im Programm. Wird diese Linie fortgeführt? „Das kommt darauf an, was uns angeboten wird“, antwortet auf diese Frage Co-Chefin Daniela Kötz. Ihr Ehemann Michael schließt ein Lob über die deutschen Fernsehfilme an, die er qualitativ kein bisschen schlechter gewertet sehen will als die deutschen Kinofilme. „Die Unterscheidung finde ich blödsinnig!“, sagt er. Mit anderen Worten: Michael Haneke wird wohl nie Gast des Festivals werden, eher Iris Berben – aber just die war ja 2022 tatsächlich da.

(Text und Foto: Hannes Blank)