Städte und Gemeinden und der Rhein-Neckar-Kreis wollen gemeinsam kräftig in schnellere Internetverbindungen investieren

Fibernet.rnk: Flächendeckendes Glasfasernetz geplant

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Eine schnelle Internetanbindung gehört heute zu den entscheidenden Kriterien bei Standortentscheidungen im Wettbewerb um Unternehmen und junge Familien. Deshalb hat der Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises fraktionsübergreifend das Modellprojekt fibernet.rnk auf den Weg gebracht.

Es war eine echte Mammutaufgabe, die daraufhin das Projektteam in den letzten Monaten erfolgreich bewältigt hat. Nun liegen die Ergebnisse vor: Über 1.500 Seiten Dokumentation und weit mehr als achtzig Pläne, die im Detail die Machbarkeit einer flächendeckenden Glasfaserversorgung im Rhein-Neckar-Kreis beleuchten. Am 1. April 2014 entscheidet der Kreistag über die Umsetzung der zentralen Projektergebnisse.

„Es ist tolles Projekt mit vielen Herausforderungen“, so Landrat Stefan Dallinger, der im Lenkungsausschuss aktiv in das Projekt eingebunden war. Neben ihm vertraten die Bürgermeister Hans-Dieter Weis (Dielheim) und Michael Kessler (Heddesheim) die Interessen der 54 Städte und Gemeinden. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz fördert das Modellprojekt mit rund 250.000 Euro aus der Breitbandinitiative II des Landes Baden-Württemberg. Das Ministerium als Fördermittelgeber wurde im Lenkungsausschuss durch Michael Reiss vertreten.

Breitbandausbau im seit 1994 liberalisierten Telekommunikationsmarkt ist komplex und erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Experten. Der Zuschlag für das Projekt fibernet.rnk ging nach europaweiter Ausschreibung im Juli 2013 an eine Bietergemeinschaft um das auf die Planung von Glasfasernetzen spezialisierte Unternehmen GEO DATA (Westhausen). Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch die Stiftungsprofessur Digitale Infrastrukturen im Ländlichen Raum des Landes Baden-Württemberg an der Hochschule Furtwangen. Die Fäden zusammengehalten haben als Projektleiterin Jennifer Reckow vom Unternehmen processline (Speyer) gemeinsam mit dem Leiter der Wirtschaftsförderung des Rhein-Neckar-Kreises Nils Drescher.

In fünf Teilprojekten wurden die zentralen Ergebnisse von fibernet.rnk erarbeitet. „Zunächst haben wir in über 250 Gesprächen sichergestellt, dass alle potentiellen Stakeholder informiert sind und in das Projekt eingebunden sind“, so der Leiter des ersten Teilprojekts Detlef Brandt (processline). Zusätzlich wurden über 15 Informationsveranstaltungen organisiert und Einzelinterviews mit den Breitbandverantwortlichen in allen 54 Städten und Gemeinden geführt. Im Planungsprojekt, geleitet von Werner Riek (GEO DATA), erfolgte zunächst die kartografische Darstellung der aktuellen Versorgungs- und Bedarfssituation. Wichtigstes Planungsergebnis ist eine Datenautobahn mit Anschlusspunkten für alle 54 Städte und Gemeinden des Kreises. Rund 300 Kilometer Trassen sind geplant in 24 einzelnen Abschnitten. Erfreulich ist, dass 200 Kilometer der notwendigen Trassen bereits existieren und hier kein Tiefbau notwendig ist. So kann dieses Netz im Vergleich sehr kostengünstig für rund 12,4 Mio. Euro errichtet werden. Diese Kosten sollen solidarisch über die Kreisumlage, in Aussicht gestellte Fördermittel des Landes sowie eine Kreditaufnahme finanziert werden, sofern der Kreistag in seiner Sitzung am 1. April 2014 die Umsetzung des Projektes beschließt.

Damit haben die 54 Städte und Gemeinden die Möglichkeit, ausgehend von den Anschlusspunkten den Ausbau zu den Gewerbebetrieben und den Haushalten voranzutreiben. Die Entscheidung, ob und wie vor Ort ausgebaut wird, liegt in den Händen der Gemeinde- und Stadträte. Unterstützung erhalten die Kommunen dabei vom Teilprojektteam der Hochschule Furtwangen um Prof. Dr. Jürgen Anders. Er entwickelte im Rahmen des Projektes eine innovative Ausbaustrategie, die einen Zeitplan, die Kosten und eine technologische Empfehlung beinhaltet. Insgesamt wurden über 250 Wohn- und Gewerbegebiete im Rhein-Neckar-Kreis bereits untersucht. Dabei konnten mit Unterstützung der IHK Rhein-Neckar vor allem auch die Belange der Betriebe eingehend berücksichtigt werden.

Wann muss die vorhandene auf Kupfer basierende Infrastruktur durch die nahezu unbegrenzt leistungsfähige Glasfaser ausgetauscht werden? Das ist die Gretchenfrage beim Breitbandausbau, die sich auch die 54 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Rhein-Neckar-Kreis stellen. Auch hier hat Prof. Dr. Anders eine Antwort gefunden. Aufgrund des stetig wachsenden Datenhungers empfiehlt er, den kompletten Rhein-Neckar-Kreis schrittweise bis zum Jahr 2030 mit Glasfaseranschlüssen in die Gebäude (FTTB) auszubauen. Dabei ist es wichtig, jetzt mit dem Ausbau zu beginnen, denn durch die Mitverlegung bei Tiefbauarbeiten können bis zu 80 Prozent der Ausbaukosten eingespart werden. Und die Kosten sind gewaltig. Rund 250 Millionen Euro sind zu investieren, wenn flächendeckend alle 240.000 Gebäude im Rhein-Neckar-Kreis umgehend angeschlossen würden.

In den Teilprojekten 4 und 5 galt es, die ideale Organisations- und Finanzierungsform für die Umsetzung des Projektes zu finden. Dabei hatten Achim Zimmermann und Kai-Markus Schenek von der renommierten Stuttgarter Sozietät iuscomm die Aufgabe, unter anderem das europäische Beihilferecht zu beachten und eine optimale Organisationsform zu finden. Im Ergebnis empfehlen die Juristen die Gründung eines “Zweckverbands Breitbandversorgung Rhein-Neckar“, in dem sich die kommunalen Interesses des Kreises und seiner Städte und Gemeinden bündeln. Andreas Weiss (GEO DATA) ist bundesweit anerkannter Finanzierungsexperte für Breitbandprojekte. Sein neu entwickeltes Finanzierungsmodell ist Basis für das spätere Rechnungswesen des Zweckverbands.

Im Rahmen eines Breitbandtags im Februar 2014 wurden die Projektergebnisse mit den 54 Oberbürgermeistern, Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern des Kreises eingehend diskutiert. Das aktuelle Interesse ist durchweg erfreulich. 53 Städte und Gemeinden haben unverbindlich ihr Interesse an einem Beitritt in den Zweckverband bekundet. Sofern der Kreistag heute die Umsetzung der Projektergebnisse beschließt, wird seitens der Verwaltung unverzüglich mit den Vorbereitungen zur Gründung des Zweckverbands begonnen. Bereits im Jahr 2015 sollen die ersten Trassen des kreisweiten Glasfasernetzes in Betrieb gehen. Das freut Kreiswirtschaftsförderer Nils Drescher ganz besonders: „Nur eine tatsächliche Verbesserung der Versorgung vor Ort interessiert unsere Unternehmer und Einwohner – und die gibt es nur, wenn auch gebaut wird“.

Foto (v.l.).: Bürgermeister Michael Kessler (Heddesheim), Bürgermeister Hans-Dieter Weis (Dielheim), Andreas Weiss (GEO DATA), Prof. Dr. Jürgen Anders (FH Furtwangen), Detlef Brandt (processline), Ann-Kathrin Schwöbel (processline), Werner Riek (GEO DATA), Nils Drescher (Rhein-Neckar-Kreis), Jennifer Reckow (processline), Achim Zimmermann (iuscomm), Rudi Feil (GEO DATA), Kai-Markus Schenek (iuscomm), Landrat Stefan Dallinger, Josef Ledermann (staatl. vereidigter Sachverständiger), Michael Reiss (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz), David Kern (Rhein-Neckar-Kreis), Thilo Kübler (Breitbandberatung Baden-Württemberg).