Fußball
Erstklassige und zweitklassige Fußballvereine (Foto: Pixabay)

Neues Spiel, neues Glück. Beim letzten internationalen Turnier erlebte die deutsche Nationalmannschaft eine beispiellose Blamage.

Seither dümpelt die Leistung der deutschen Elf bei Länderspielen im Mittelfeld, die Fans wenden sich gelangweilt ab und im März gab Trainer Jogi Löw bekannt, dass er nach der EM freiwillig seinen Posten räumen wird. Vorher hat er aber noch einmal die Chance, die Schmach der Russland-WM wiedergutzumachen und den Fans wieder ein würdiges Spektakel zu bieten. Trotz enttäuschender Leistungen bei den letzten Länderspielen bescheinigen die Wettquoten Deutschland ordentliche Chancen auf den Titelgewinn. Wie weit kommt die Löws Mannschaft bei dem Turnier, das am 11. Juni in Rom seinen Auftakt feiert?

Kein „absoluter Favorit“

Wenn es nach den meisten Beobachtern geht, ist Frankreich der Top-Favorit auf den Titelgewinn bei der EM. England und Belgien werden ebenfalls gute Chancen eingeräumt. Deutschland gehört hingegen „nicht zu den absoluten Favoriten“, wie es Jogi Löw kürzlich ausdrückte. Trotzdem belegt die Mannschaft vor Turnierbeginn bei den EM 2021 Wettquoten gemeinsam mit Spanien den vierten Platz und liegt damit vor Portugal, Italien und den Niederlanden. Ganz offensichtlich glauben die Buchmacher doch noch an die Fähigkeiten des Bundestrainers, obwohl seine Mannschaft zuletzt nur eine enttäuschende Bilanz vorzuweisen hatte.

Schwache Bilanz in Länderspielen

Bei der Nations League konnte die Nationalmannschaft in den letzten Jahren nicht überzeugen und auch bei den Länderspielen vor der EM schnitt sie eher schwach ab. Bei einem WM-Qualifikationsspiel rang das Team Rumänien nur mit Müh und Not ein 1:0 ab, gegen Nordmazedonien mussten die Deutschen sich sogar 1:2 geschlagen geben. Die internationale Presse nahm kein Blatt vor den Mund: Der britische Daily Mirror sprach von einer „Demütigung“, die spanische Tageszeitung AS nannte das Spiel eine „Lächerlichkeit“. Der Spiegel bezeichnete das Ergebnis etwas zurückhaltender als eine „überraschende Niederlage“.

Entscheidung in der Gruppenphase

Die Entscheidung über das Schicksal der Deutschen könnte schon in der Gruppenphase fallen. Denn die Gegner haben es in sich: Der amtierende Weltmeister Frankreich gehört ebenso dazu wie der amtierende Europameister Portugal. Ein Aus in der Vorrunde ist also auch dieses Mal eine ernstzunehmende Möglichkeit. Immerhin wäre bei einer solchen Zusammensetzung die Blamage etwas geringer als beim letzten Mal. Wenn Deutschland diese Hürde hingegen meistert, ist alles offen. Damit befindet sich Deutschland in einer ungewohnten Position. Das Überwinden der Gruppenphase ist für die Nationalelf normalerweise eine Selbstverständlichkeit. Zum letzten Mal flogen die Deutschen 2004 vier während der Gruppenphase ins Turnier, seither schafften sie es einmal ins Finale und zweimal ins Halbfinale.

Unerfahrene Mannschaft

Während die Teams aus England und Frankreich seit Jahren eingespielt sind, sieht die Lage in Deutschland anders aus. Nach dem Debakel 2018 krempelte Löw seine Mannschaft um, aus dem Weltmeister-Kader von 2014 sind nur noch drei Spieler vertreten. Bis zuletzt war unklar, welche Spieler tatsächlich aufgestellt werden. Das macht es für Deutschland zusätzlich schwierig – bietet aber auch eine Chance. Der junge Kader hat die Gelegenheit, sich zu beweisen und einen Neuanfang einzuleiten. Und auch Jogi Löw dürfte viel daran gelegen sein, sich zumindest mit einem kleinen Erfolg von der Trainerbank zu verabschieden. Es bleibt also spannend.