Heidelberg: „small pieces – big visions“ am 22. und 23. November 2019

Heidelberg – Als Entdecker großer Talente und Förderer junger (und älterer) Kollegen haben die Kuratoren der Hebelhalle Jai Gonzales und Bernhard Fauser in der Tanzszene längst einen Ruf. Nun starten sie in Heidelberg eine neue Veranstaltungsreihe mit ausgesuchten kurzen Stücke, von deren Aussagekraft und Aktualität sie überzeugt sind.

„small pieces – big visions“ ist der Präsentation kleiner Formate mit großer Qualität gewidmet und ist am 22. und 23. November 2019 zum ersten Mal zu erleben. Der dreiteilige Abend umfasst Stücke von Amancio González, Jacqueline Trapp und Lucyna Zwolinska.

Amancio González, langjähriger Tänzer in William Forsythes Frankfurt Ballett und in The Forsythe Company, eröffnet den Abend mit seiner ebenso neuartigen wie werktreuen Version des Solos „Der Sterbende Schwan“. 1907 schrieb der Choreograph Mikhail Fokin Tanzgeschichte, als er dieses kurze Solo für die legendäre Ballerina der Ballets Russes Anna Pawlowa schuf, denn er verband darin Schritte und Haltung des klassischen Spitzentanzes mit einem modernen, fließenden und expressiven Bewegungsduktus. Wenn nun Amancio González dieses Solo in der Original-Choreographie auf die Bühne bringt, wird sein Auftritt zu einer vielschichtigen, ebenso klugen wie sensiblen Auseinandersetzung mit Fragen nach Geschlechterrollen und Alter, nach Präsentation und Repräsentation, nach Realität und Phantasie, geprägt von seinen jahrzehntelangen Erfahrungen als Tänzer und Tanzpartner, Choreograph und Lehrer.

Amancio González (Foto: Federica M Bianchi)
Amancio González (Foto: Federica M Bianchi)

Die australische Tänzerin Jacqueline Trapp gehört seit der vergangenen Spielzeit als festes Ensemblemitglied des Dance Theatre Heidelberg zur hiesigen Tanzszene. Im Rahmen des Tanzabends »Freiraum« am Theater Heidelberg schuf sie „Café Tripping and the Dinosaur Bird“ für zwei Tänzer (Arno Brys und Axier Iriarte) und eine Pflanze. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Autorin Miriam Tag. In einem gemeinsam gestalteten Raum erkundeten die Schriftstellerin und die Choreographin Verbindungen zwischen der Entstehung von Texten und der Entwicklung von Tanz und gingen der Frage nach Nähe und Abwesenheit in zwischenmenschlichen Beziehungen nach.

Lucyna Zwolinska Stück „reflexio“ ist ein Trio für zwei Tänzer (Lucyna Zwolinska, Robert Przybyl) und einen Musiker (Gabriele Basilico). Reflexion bezeichnet das Zurückbeugen und Widerspiegeln, aber auch das Neu-Betrachten einer Situation, das mit einem Wechsel des Standpunkts einhergeht. In der westlichen Philosophie ist es die Grundlage einer Selbstbegründung. Reflexion schärft das Bewusstsein für die eigene Position und kann zu verschiedenen Standpunkten führen wie Sicherheit, Angst, Überzeugung, Hoffnung, Einsamkeit, Ungeduld oder Freude. Diese Standpunkte werden zum Ausgangspunkt für das Stück, das ebenso von der rohen Energie der Künstler wie auch von ihrer erhöhten Sensibilität geprägt wird.


small pieces – big visions
Dreiteiliger Abend von Amancio Gonzalez, Lucyna Zwolinska und Jacqueline Trapp

Amancio Gonzalez „Sterbender Schwan“
Jacqueline Trapp „Café Tripping and the Dinosaur Bird“
Lucyna Zwolinska „reflexio“

Termin:
Freitag, 22. November 2019, 20 Uhr, Premiere
Samstag, 23. November 2019, 20 Uhr
Choreographisches Centrum Heidelberg (neben Hebelhalle)
Kartenreservierung unter info@unterwegstheater.de