Erhöhte Wildunfallgefahr durch Umstellung auf Winterzeit

Symbolbild Reh (Foto: Holger Knecht)
Symbolbild Reh (Foto: Holger Knecht)

Gensingen – Nasse Straßen und schlechte Sicht sind während Herbst und Winter keine Seltenheit. Wenn am 27. Oktober 2019 die Sommerzeit endet und der Berufsverkehr in die Dämmerungsstunden verlagert wird, steigt die Gefahr von Wildunfällen.

Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz e.V. (LJV) empfiehlt Autofahrern in den Wochen nach der Zeitumstellung am 27. Oktober besonders aufmerksam zu sein. Denn die Wildunfallgefahr steigt, wenn der Berufsverkehr durch die Umstellung auf die Winterzeit mit den Gewohnheiten der Wildtiere kollidiert. In den Dämmerungsstunden queren viele Wildtiere bei der Nahrungssuche Straßen, wodurch es zu Verkehrsunfällen kommen kann.

In Rheinland-Pfalz ereigneten sich im Jahr 2018 rund 23.400 Wildunfälle. Im Vergleich zu 2017 sank damit die Zahl von Verkehrsunfällen mit Wildtieren um etwa sechs Prozent. Mehr als 60 Prozent der Wildunfälle ereigneten sich in der Nordhälfte von Rheinland-Pfalz. Im Jagdjahr 2017/2018 fanden mehr als 10.000 Rehe durch den Straßenverkehr den Tod. Keine andere Wildart kommt so häufig unter die Räder. Ein Hauptgrund für Wildunfälle ist die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrswege. Auch deswegen fordert der LJV den Ausbau von Wildtierkorridoren und Querungshilfen.

Wildunfälle sind nicht zu unterschätzen. Bei einem Crash mit einem 80 Kilogramm schweren Wildschwein bei 60 km/h wirkt ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen auf das Fahrzeug ein. Autofahrer können mit dem richtigen Verhalten selbst Wildunfälle vermeiden. Die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anzupassen, ist die wichtigste Regel. Denn wer mit 80 statt mit 100 Stundenkilometern unterwegs ist, hat bereits einen 25 Meter kürzeren Bremsweg. Überquert ein Wildtier die Straße, sollte der Fahrer das Licht abblenden, hupen und bremsen – keinesfalls versuchen auszuweichen, denn die Folgen könnten schwerwiegender sein.

Ist es zum Crash gekommen, gilt es, Ruhe zu bewahren, die Unfallstelle zu sichern und die Polizei zu rufen. Ist das Wildtier noch am Leben, verständigen die Ordnungshüter den zuständigen Jäger, damit dieser das Tier von seinen Leiden erlöst. Keinesfalls darf ein verendetes Tier in das eigene Auto „eingepackt“ werden, denn das wäre Jagdwilderei. Tipps zum richtigen Verhalten nach einem Wildunfall finden interessierte auf der Homepage des LJV.

Um Unfallschwerpunkte zu ermitteln und damit für ein Plus an Verkehrssicherheit zu sorgen, veröffentlichte der Deutsche Jagdverband im Herbst 2016 die kostenfreie Tierfund-Kataster-App. Die App gibt es für Smartphones mit den Betriebssystemen Android und iOS. Die Daten lassen sich innerhalb von wenigen Minuten erfassen. Der aktuelle Standort wird dabei von der App automatisch erfasst und relevante Daten wie Datum oder Wildart abgefragt. Zusätzlich lässt sich für die bessere Bestimmung der Wildart ein Foto hochladen. Eine Zwischenspeicherung der Daten auf dem Smartphone ist auch ohne Internetverbindung möglich. Auch auf der Homepage www.tierfund-kataster.de können Verkehrsteilnehmer die Daten einfach und bequem eingeben. Wissenschaftler der Universität Kiel prüfen die Daten und werten sie aus.

Jägerinnen und Jäger engagieren sich seit Jahren für den Schutz von Verkehrsteilnehmern. In Rheinland-Pfalz gibt es rund 18.000 Straßenkilometer, etwa 1.810 km stattete die Jägerschaft mit mehr als 46.000 Wildwarnreflektoren aus und konnte damit lokal die Zahl der nächtlichen Wildunfälle um 70 bis 80 Prozent reduzieren. Nahezu 250.000 Euro sind in diese Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geflossen – den größten Teil davon bezahlen die Jägerinnen und Jäger aus eigener Tasche.