Neustadt: Armes, reiches Neustadt – Veranstaltungsreihe der Tagesbegegnung Lichtblick

Casimirianum in Neustadt an der Weinstraße (Foto: Holger Knecht)
Casimirianum in Neustadt an der Weinstraße (Foto: Holger Knecht)

Neustadt an der Weinstraße – Zum wiederholten Male veranstaltet die Neustadter Tageseinrichtung Lichtblick- eine Einrichtung für wohnungslose und sozial benachteiligte Menschen, eine Veranstaltungsreihe zum Thema Armut.

Drei bekannte Fachleute wurden eingeladen um über das Thema zu informieren. Alle Veranstaltungen finden um 19 Uhr im Casimirianum, Ludwigstraße 1 um 19 Uhr statt. Der Eintritt ist jeweils frei, Spenden sind erwünscht.


Die Reihe beginnt am Mittwoch, 15. November 2018, mit einem Vortrag von Inge Hannemann.
Inge Hannemann ist eine deutsche Bloggerin, Hartz-IV-Kritikerin und Politikerin.

Die Hartz IV- Diktatur- eine Arbeitsvermittlerin klagt an…

Warum werden Hartz-IV-Empfänger in vielen Jobcentern zu Bittstellern degradiert? Warum schickt man hochqualifizierte Fachkräfte in sinnlose Fortbildungen? Und warum zählt nur noch die Statistik – und nicht der Mensch?

Die Hartz-IV-Rebellin deckt auf, was in den Jobcentern Deutschlands Tag für Tag geschieht, welche menschlichen Tragödien die Hartz IV-Sanktionen auslösen – und wie teuer das unseren Staat zu stehen kommt.
Frau Hannemann wird in die Thematik einführen und hofft auf eine rege Diskussion im Anschluss ihres Vortrages.


Am Mittwoch, 21. November wird Richard Brox seinen Bestseller vorstellen:

Kein Dach über dem Leben- Biographie eines Obdachlosen.

Die Straße ist ein gefährlicher Ort geworden für Berber, aber für Richard Brox war sie drei Jahrzehnte lang auch das Reich der Freiheit, der Selbstbestimmung und der Würde. Seine Website mit Tipps und Bewertungen sozialer Anlaufstellen in vielen Städten der Republik machte ihn zum wohl bekanntesten Obdachlosen Deutschlands. Hier erzählt er seine Geschichte, die erschütternden Erlebnisse eines begabten Jungen, der es schafft, aus den Gewalterfahrungen seiner Kindheit und der Drogenkarriere seiner Jugend auszubrechen und sich freizukämpfen. Ein Lehrstück über die Schattenseiten unserer Gesellschaft und ihre soziale Verwahrlosung.

„Wieviel Kraft hat dieser Mann aufwenden müssen, wie viele Abgründe erneut durchleben müssen, um diese ergreifende Biografie zustande zu bringen!“ Günter Wallraff

Als besonderen Gast bringt Richard Brox den ehemaligen Profiboxer Charly Graf mit.
Charly war Rotlichtgröße, Deutscher Meister und Knast-Kumpan des früheren RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock. Er war ganz unten, hat sich herausgekämpft – ganz oben hielt es ihn nie lange.
Charly Graf galt als hoffnungsvoller Boxer. Dann rutschte er ab, saß wegen Zuhälterei und Körperverletzung im Gefängnis, auch in Stammheim. Heute bewahrt er als Sozialarbeiter Kinder vor den Fehlern, die er selbst begangen hat. Sein Lebensmotto lautet: „ Es ist nie zu spät, etwas richtig zu machen.“


Am Mittwoch, 28. November gibt es noch einen Vortrag von Dr. Wolfgang Hien zum Thema Armut und Gesundheit.

Armut macht krank – Krankheit macht arm: In diesen Teufelskreis geraten immer mehr Menschen im reichen Deutschland. Der Unterschied zwischen reich und arm wird größer, ebenso der Unterschied im Gesundheitszustand und in der Sterblichkeit. Skandalöse 10 Jahre Unterschied in der Lebenserwartung liegen – in Deutschland – zwischen arm und reich. Im Vortrag werden einige aktuelle Studien und Überlegungen zum Thema „Armut und Gesundheit“ vorgetragen und zur Diskussion gestellt.

Dr. Wolfgang Hien ist Medizinsoziologe und Arbeitswissenschaftler und Lehrbeauftragter für Public Health an der Universität Bremen.
Übrigens: Wolfgang Hien ist im Erstberuf Chemielaborant. Er lernte 1975 bis 1968 in der BASF Ludwigshafen und wohnte in dieser Zeit im CJD Jugenddorf in Neustadt.


Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem Neustädter Kulturverein Wespennest statt.