Hilfsaktion „Teile und helfe“ für Flüchtlinge

Zwei Millionen Euro zur Unterstützung

Begegnung in Erstaufnahmestelle

Speyer – Das Bistum Speyer startet eine diözesanweite Hilfsaktion für Flüchtlinge. Sie steht unter der Überschrift „Teile und helfe“. Im Rahmen einer Pressekonferenz gab Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann bekannt, dass das Bistum weitere 1,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitstellt. Damit steht jetzt eine Summe von rund zwei Millionen Euro zur Unterstützung der Flüchtlinge zu Verfügung.

Ziele der Aktion „Teile und helfe“ seien, einen Überblick über die Hilfen für Flüchtlinge im Bistum Speyer zu geben, die Vernetzung der Aktiven zu fördern und weitere Hilfen für Flüchtlinge anzuregen, so Bischof Wiesemann. Die Aktion solle fachliche Impulse geben, wie man Flüchtlingen helfen kann. Sie werbe zugleich für eine Haltung der Offenheit und Solidarität gegenüber den Menschen, die als Flüchtlinge in unser Land kommen. „Die Welt rückt durch die Globalisierung immer stärker zusammen. Das lässt uns einerseits erschrecken, wenn uns zum Beispiel die Folgen unseres westlichen Lebenswandels für die Länder des Südens bewusst werden. Andererseits bietet sich uns heute die Chance, eine national verengte Perspektive endgültig über Bord zu werfen und zu erkennen, dass die Grundwerte des Lebens unteilbar sind und dass jeder Mensch auf der Welt dieselbe Hoffnung auf ein Leben ohne Hunger, Angst und Krieg in sich trägt“, erklärte Bischof Wiesemann bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Hilfsaktion. Ein „Abschotten in der Festung Europa und ein Verteidigen unseres Wohlstands mit Mauern und mit Stacheldraht“ könne für eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft und Kultur nicht die Lösung sein. Das Evangelium gebe eine andere Richtung vor: „In der Haltung der Nächstenliebe den Schutz- und Heimatlosen unserer Tage beizustehen und uns mit aller Entschlossenheit für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Hierzulande, aber auch in den Herkunftsländern, wo die Menschen aufgrund von Kriegen, Gewalt und materieller Not keine Bleibeperspektive mehr für sich erkennen können und wo die Kirche mit ihren Hilfswerken Katastrophenhilfe und nachhaltige Aufbauarbeit leistet.“

Auf einer Internetseite zur Hilfsaktion werden Möglichkeiten des praktischen Einsatzes für Einzelne wie auch für Pfarreien, Einrichtungen und Gruppen aufgezeigt. Wer sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren möchte, findet auf der Internetseite eine bistumsweite Übersicht zu Hilfsprojekten im Bistum Speyer. Alle Projekte sind mit Beschreibungen, Ansprechpartnern und Kontaktdaten versehen. Das Spektrum der Angebote reicht von der persönlichen Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen und Einkäufen, über regelmäßige Treffs in Pfarrheimen, Fahrradwerkstätten und Ausflügen bis hin zu gemeinsamen Feiern und Gottesdiensten. Die Hilfsaktion informiert darüber hinaus, welche Sachspenden sinnvoll sind und wie man finanzielle Hilfe leisten kann.

Flüchtlinge in kirchlichen Räumen aufnehmen

Thema der Hilfsaktion ist auch die Bereitstellung von Wohnungen und Unterkünften. Zahlreiche Ordensgemeinschaften, Pfarreien und kirchliche Einrichtungen haben bereits Flüchtlinge aufgenommen. An vielen Orten sei ähnliches geplant, so Bischof Wiesemann. Zurzeit stehe das Bistum über sein Bauamt mit rund 30 Kommunen bezüglich der Nutzung kirchlicher Immobilien zur Unterbringung von Flüchtlingen in Kontakt. Um den Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen bei dieser Aufgabe unter die Arme zu greifen, verstärkt das Bistum sein Bauamt durch einen zusätzlichen Projektmitarbeiter. Seine Aufgabe: Bei baulichen Fragen zur Unterbringung von Flüchtlingen gemeinsam mit den Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen die passenden Lösungen zu finden.

Um ein Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen zu setzen, nehmen der Bischof und das Domkapitel im Vikarienhof am Domplatz selbst eine Flüchtlingsfamilie auf und werden sie zusammen mit den Ordensschwestern des Bischofshauses auf dem Weg des Ankommens und der Integration in die Gesellschaft begleiten.

Bereits vor einem Jahr hat das Bistum das Gebäude in der Engelsgasse zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgeschlagen und der Stadt zur Nutzung als Flüchtlingsunterkunft angeboten. „Auch wenn sich die Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe hier in Speyer zurzeit auf die Kurpfalzkaserne konzentrieren, hat die Stadt nach eigenem Bekunden weiterhin ein hohes Interesse daran, das Gebäude in der Engelsgasse als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen“, teile Bischof Wiesemann mit.

Er dankte allen, die bereits aktiv geworden sind und sich „häufig auf eine sehr engagierte und kreative Weise“ an die Seite der Flüchtlinge stellen. Die Situation zeige, wie tief in der Gesellschaft die Bereitschaft zur Solidarität verankert sei. Gleichzeitig sprach er an die Adresse aller Gläubigen und darüber hinaus aller Interessierten die Einladung aus, sich der Hilfsaktion „Teile und helfe“ anzuschließen und sie durch eigene Aktionen und eigenes Engagement zu bereichern.

Unterstützung für jugendliche Flüchtlinge

In den Caritas-Zentren werde die unmittelbare Hilfe von Flüchtlingen vor allem in den Bereichen Schwangerenberatung, Migrationsberatung und Sozialberatung zurzeit stark nachgefragt, berichtete der Vorsitzende des Caritasverbandes Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer. Die Caritas-Zentren qualifizieren und begleiten Ehrenamtliche, die ihre Hilfe zur Verfügung stellen. Einen Schwerpunkt setzt der Caritasverband in der Begleitung und Förderung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Raum Kaiserslautern. Hier finden junge Flüchtlinge Unterkunft und Beschäftigung auf dem „Willensteiner Hof“ bei Trippstadt, einem vom Caritasverband eigens für diesen Zweck angemieteten Bauernhof. Für diese Flüchtlinge stellt der Caritasverband 20 zusätzliche Stellen in Caritas-Einrichtungen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes zur Verfügung. Zur Betreuung von zwei größeren Wohnprojekten für Flüchtlinge stehe der Caritasverband mit der Stadt Kaiserslautern und dem Rhein-Pfalz-Kreis in enger Absprache, so Hundemer. Der Caritasverband stelle zudem in Absprache mit dem Diakonischen Werk der Pfalz Fachberatung in den Aufnahmestellen des Landes zur Verfügung.

Kirche hilft auch in den Herkunftsländern

„Bei aller nötigen Hilfe hier bei uns wollen wir den Blick über unsere Grenzen hinweg nicht vergessen, auf die Länder, aus denen die Menschen fliehen müssen“, unterstrich Domkapitular Hundemer. Die Hälfte der finanziellen Zuwendungen fließe daher in ein Projekt von „Caritas International“ im Libanon, wo 1,2 Millionen Syrer in riesigen Lagern seit nun mehreren Jahren leben müssen. „Das ist auch der Grund für den Titel unserer Hilfsaktion: Nicht „divide et impera“ wie es uns von den Strategen der Mächtigen bekannt ist; sondern „divide et adiuva“, wie es der Kirche und ihrer Caritas von ihrem Herrn und Meister aufgetragen ist“, erklärte Hundemer.

Besuch des Bischofs in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber

Bei einem Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der Speyerer Kurpfalzkaserne informierte sich Bischof Wiesemann über die Situation der Flüchtlinge. Gemeinsam mit Dompfarrer Matthias Bender und Pfarrer Hubert Ehrmantraut knüpfte er Kontakt zu den Flüchtlingen, die ihm über die Lage in ihren Herkunftsländern und ihre Flucht berichtete. Zahlreiche Frauen und Männer dankten für die Aufnahme in Speyer. Bischof Wiesemann sprach den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuz, das die Erstaufnahmeeinrichtung betreut, und den zahlreichen ehrenamtlich Engagierten seinen Respekt und Danke für ihren Einsatz aus.

Task Force Flüchtlingshilfe koordiniert Hilfsaktion

Die Koordination der Hilfsaktion „Teile und helfe“ ist Aufgabe der „Task Force Flüchtlingshilfe“, die das Bistum Speyer und sein Caritasverband im September 2015 im Blick auf die steigende Zahl von Flüchtlingen gemeinsam ins Leben gerufen haben. Sie wird von Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer geleitet und besteht aus neun Fachreferentinnen und –referenten des Bischöflichen Ordinariats und des Caritasverbandes. Sie befassen sich mit der aktuellen Situation der Flüchtlinge, koordinieren die Aktivitäten und initiieren bei Bedarf zusätzliche Aktionen und Projekte der Unterstützung.

Weitere Informationen:

www.teile-und-helfe.de