Rheinland-Pfalz: Einsatztraining der Polizei bei „Lebensbedrohlichen Einsatzlagen“ vorgestellt

Enkenbach-Alsenborn – Anschläge der jüngeren Vergangenheit in Europa und Deutschland belegen, dass insbesondere die Polizeibeamtinnen und -beamten im Streifendienst mit neuen Herausforderungen und Gefahren konfrontiert sind. Sie treffen regelmäßig als erste vor Ort ein und müssen bis zum Eintreffen von Spezialeinheiten als Erstinterventionskräfte agieren.

Für solche „Lebensbedrohliche Einsatzlagen“ (LebEL) wurde eine Einsatzkonzeption erarbeitet, die taktische Ziele, Einsatzgrundsätze und Einsatzmaßnahmen der frühen Phase, die aufgrund der oft geringen Erkenntnisse und dadurch unklaren Lage gekennzeichnet ist, beschreibt. Dazu werden rund 3.600 Beamtinnen und Beamtinnen in einem speziellen Training ausgebildet. Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn wurde das Spezialtraining vorgestellt.

Mit ballistischer Schutzausrüstung ausgestattet

Nach den SEK/MEK wurden auch die Polizisten des Streifendiensts mit ballistischer Schutzausrüstung ausgestattet, so Innenminister Roger Lewentz. In jedem Funkstreifenwagen werden zwei Titanhelme und zwei Plattenkörper (Schutzwesten) mitgeführt. Diese Westen sollen vor Kalaschnikow-Beschüssen schützen. Die Maschinenpistole MP5 wurde mit Rotlichtvisier nachgerüstet, um die Waffen auf eine größere Distanz zielgenau einsetzen zu können.

Polizist (Foto: Holger Knecht)
Polizist (Foto: Holger Knecht)

Zu der neuen Ausbildung gehört auch die medizinische Versorgung von Verletzten. Da bei Gefährdungslagen und Antiterroreinsätzen der Rettungsdienst nicht zum Einsatz kommen kann, wurden die Polizisten in erweiterter Erste-Hilfe ausgebildet.

Die Zusatzausrüstung, die nicht ständig getragen, sondern jedem Polizisten im Streifenwagen griffbereit zur Verfügung steht, wiegt inkl. Maschinenpistole und vier Ersatzmagazinen ca. 20 kg. Deshalb muss der Umgang damit trainiert werden. Jeder Polizist absolviert eine mehrtägige Ausbildung (5 Tage). Diese beinhaltet Schießtraining, Einsatztaktik und erweiterte Erste-Hilfe. Teile der Ausbildung wurden im Rahmen des Pressebesuchs gezeigt.

Schießausbildung

Die Schießausbildungen werden in den Bereitschaftspolizeistandorten Enkenbach-Alsenborn, Mainz, Koblenz und Wittlich durchgeführt. In Mendig soll eine Schießbahn gebaut werden.

Schießtraining (Foto: Holger Knecht)
Schießtraining (Foto: Holger Knecht)

Gezeigt wurde an einer Videowand das Erkennen und ‚Beseitigen‘ von Angreifern. Besonderen Wert wird auf die Kommunikation zwischen den Polizeibeamten gelegt.

Einsatzszenario fordert eingesetzte Kräfte

Bei einer Übung wurde ein terroristischer Angriff als Szenario gezeigt. Ein Täter war mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren und hat anschließend mit Messern Menschen verletzt. Vier Polizeibeamte begaben sich zu Fuß und mit angelegter Schutzausrüstung zur Einsatzstelle. Polizeischüler mimten die Verletzten. Der Attentäter, gespielt von einem Polizisten, wurde festgenommen und die Verletzten medizinisch versorgt.

Der Gewalttäter (Foto: Holger Knecht)
Der Attentäter ging mit Messern auch auf die Polizisten los. (Foto: Holger Knecht)

Neue Konzeption ersetzt Amoklagenkonzept

Da die Amokkonzeption nach Polizeiangaben veraltet ist und die Aufgaben gewachsen sind, reagieren Politik und Polizei auf die neuen Herausforderungen. „Die Polizei stellt sich nicht auf Krieg ein, jedoch auf die kriegsähnlichen Situationen“, so Polizeioberrat Thomas Wimmer, Dozent an der Hochschule der Polizei (HdP). Für die medizinischen Ausbildungsinhalte ist Dr. Gabriele Nisius verantwortlich.