Kreis Darmstadt-Dieburg: Kreiskliniken und Gesundheitsamt reagieren auf steigende Zahlen von Zwangseinweisungen

Darmstadt-Dieburg – In den vergangenen Jahren lässt sich ein Anstieg bei den Zwangseinweisungen von psychisch Kranken feststellen. Die häufigsten Ursachen für eine Einweisung gegen den Willen sind die Äußerung von lebensmüden Gedanken oder Versuche, sich das Leben zu nehmen. Aber auch fremdaggressive Verhaltensweisen, ausgelöst durch psychischen Krisen oder Erkrankungen, können eine Einweisung gegen den Willen nach sich ziehen.

Gab es im Jahr 2012 283 Zwangseinweisungen, ist die Zahl im vergangenen Jahr auf 454 angestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Zwangseinweisungen bei Minderjährigen drastisch gestiegen.

Das Gesundheitsamt für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg und das Zentrum für Seelische Gesundheit der Kreiskliniken Groß-Umstadt bieten angesichts dieser Problematik Seminare für Polizeibeamte an. Das Zentrum für Seelische Gesundheit gibt bereits seit mehr als drei Jahren Fortbildungen und In-House-Schulungen zu psychiatrischen Erkrankungen für die Polizeistationen in Dieburg und Ober-Ramstadt. Die Polizei ist oftmals zuerst vor Ort und muss dann die Entscheidung treffen, ob ein psychisch kranker Mensch gegen seinen Willen eingewiesen wird oder nicht. Erweitert wird das Angebot seit Februar 2017 durch das Seminar “Umgang mit psychisch Kranken in Gefahrensituation“. Angeboten wird das Seminar vom Gesundheitsamt. In dem Seminar lernen die Polizisten des Polizeipräsidiums Südhessen den Umgang mit psychischen Erkrankungen im Allgemeinen und in Krisensituationen, sie werden über die verschiedenen psychischen Erkrankungsbilder aufgeklärt.

„Wir arbeiten seit Jahren eng und gut mit der Polizei zusammen. Die Polizei ist meist zuerst vor Ort und muss die Lage einschätzen. Mit dem Angebot des Gesundheitsamtes in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Seelische Gesundheit der Kreiskliniken Groß-Umstadt reagieren wir auf den Anstieg bei den Zwangseinweisungen: Wie reagiere ich auf Menschen in einer Krisensituation? Was ist zu tun? Welche Institutionen müssen mit einbezogen werden?“, erläutert die Sozial- und Jugenddezernentin des Kreises, Rosemarie Lück. Lück dankte zudem der Polizei für die gute Zusammenarbeit.