Technik bringt nicht nur Fortschritt: Vortrag im TECHNOSEUM stellt Ingenieursstand in den Fokus

Fertigungsroboter der Firma ABB, der in der Sonderausstellung im TECHNOSEUM ausgestellt ist.

Das Entstehen der Industriearbeiterschaft steht in einer Wechselbeziehung mit der Herausbildung des Techniker- und Ingenieurstandes. Wie sich technischer Fortschritt und soziale Frage aus der Sicht von Ingenieuren darstellen, ist Thema des Vortrags „Ohne Ingenieure kein Proletariat“ von Dr. Hartmut Knittel, Konservator am TECHNOSEUM, am 12. Juni 2013 um 18 Uhr.

Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem VDI Arbeitskreis Technikgeschichte statt und ist Teil des Rahmenprogramms zur aktuellen Sonderausstellung „Durch Nacht zum Licht? Geschichte der Arbeiterbewegung 1863 – 2013“, die noch bis zum 25. August im TECHNOSEUM zu sehen ist. Der Eintritt zum Vortrag ist für Besucherinnen und Besucher frei.

Ein breites Ingenieurswissen war notwendig, um den Übergang von der Agrar- und Ständegesellschaft zu einer Industriegesellschaft zu schaffen. Seit den 1830er Jahren führte die Nachfrage nach stationären Dampfmaschinen, Kraftübertragungsanlagen, Textil- maschinen und Dampfschiffen zu einer arbeitsteiligen Fertigung, die die Entwicklung eines Facharbeitertyps Ende des 19. Jahrhunderts erforderlich machte. Auch sozialistische und kommunistische Parteien und die Gewerkschaften begrüßten die technischen Inno- vationen in Forschung, Entwicklung und Produktion. Der Fortschritt einer Gesellschaft sei nur über die technische Intelligenz ihrer Mitglieder zu realisieren. Bei allem Fortschritt sollten dabei allerdings keine Arbeitsplätze verloren gehen; die Schaffung neuer und besserer Arbeitsplätze im Zuge der Modernisierungsprozesse wurde gefordert. In seinem Vortrag wird Dr. Knittel aufzeigen, dass sich diese Ideale in der Realität kaum umsetzen ließen. Den Ingenieuren der ersten Stunde sei es aber mit zu verdanken, dass eine Qualitätssteigerung erreicht wurde, die zu einem erhöhten Export für Deutschland führte. So konnte der allgemeine Beschäftigungsstand in den Wirtschaftszweigen Maschinenbau, Elektrotechnik und chemische Verfahrenstechnik bis 1914 stetig gesteigert werden. Die reale Kaufkraft der Arbeiter verdoppelte sich sogar seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Der seit 1856 im Verein Deutscher Ingenieure organisierte Ingenieursstand fordert durch sein Wirken an Polytechnischen Schulen, Technischen Hochschulen und der Privatwirtschaft seinen Platz in der Gesellschaft.

Weitere Informationen unter www.technoseum.de