Ludwigshafen: Vielseitig – in den Themen und Angeboten Ludwigshafener Erziehungsberatungsstellen legen gemeinsamen Jahresbericht 2016 vor

Jahresbericht 2016 - Titelseite
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Ludwigshafen – Im vergangenen Jahr haben erneut 1.716 Familien bei den beiden Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern in Ludwigshafen Rat gesucht. Mit über 60 Prozent lag der Schwerpunkt in der Altersverteilung der Kinder und jungen Menschen bei beiden Beratungsstellen zwischen sechs und 15 Jahren.

Insgesamt wurden mehr männliche als weibliche Klienten beraten. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund lag zwischen 41 und 43 Prozent. Mehr als 70 Prozent der Familien oder jungen Volljährigen finanzierten ihren Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit. Gründe für die Hilfegewährung waren in beiden Beratungsstellen in erster Linie Entwicklungsauffälligkeiten, Belastungen der jungen Menschen durch familiäre Konflikte und schulische und berufliche Probleme. Diese gemeinsame Bilanz stellten Ines Ellesser, Leiterin der städtischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, und Beate Czodrowski, Einrichtungsleiterin der Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung im Caritas-Zentrum Ludwigshafen, am Donnerstag, 11. Mai 2017, im Jugendhilfeausschuss vor.

In der genaueren Betrachtung der vorliegenden Zahlen, so die beiden Leiterinnen, falle die Vielseitigkeit der Arbeit auf. Sie zeige sich sowohl in den Themen, mit denen Familien in die Beratungsstellen kommen, als auch in der Angebotsstruktur. Niederschwellige und am Alltag der Familien orientierte Unterstützung zeichnen laut Ellesser und Czodrowski das Angebot der Beratungsstellen aus. Großes Thema in den Familien seien nach wie vor Notendruck und Schulprobleme bei den Kindern, aber auch Folgen von Trennung und Scheidung oder Belastungen in Zusammenhang mit der Erkrankung eines Elternteils. Ganz schwierig werde es oft, wenn gleich mehrere Ereignisse zusammen kommen. „Fachleute sprechen hier von ‚multiplen Problemlagen‘. Um solche Familien besonders intensiv zu unterstützen, wurde die Aufsuchende Familientherapie entwickelt. Das Konzept ist sehr erfolgreich – und besteht seit zehn Jahren. Aufsuchende Familienarbeit unterstützt Kinder und Eltern gleichermaßen und ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit der beiden Beratungsstellen“, fasste Ines Ellesser zusammen.

„Ein wichtiges Ziel der Beratungsstellen ist es, Eltern zu stärken und zu begleiten“, erklärte Prof. Dr. Cornelia Reifenberg, Beigeordnete für Kultur, Schulen, Jugend und Familie der Stadt Ludwigshafen. „Es geht darum, die passenden Lösungen zu suchen und dabei die bestehenden Ressourcen und Fähigkeiten innerhalb der Familien zu nutzen“.

Weitere Bausteine im vielfältigen Angebot der Beratungsstellen sind Fachvorträge und Projekte. So ersetzten beispielsweise die Leitenden des kunsttherapeutischen Projekts mit geflüchteten Jugendlichen aus Afghanistan, dem Iran und Syrien die fehlenden Worte durch Bilder. In Kooperation mit dem Wilhelm-Hack-Museum arbeiteten die Jugendlichen in bildlichen Auseinandersetzungen, nahmen Anregungen aus dem Museum auf und fanden zunehmend eine eigene Bildersprache.

Das Gruppenangebot „Kinder aus der Klemme“ richtet sich an hochstrittige Eltern. In Familien, in denen Eltern häufig streiten, geraten Kinder oft aus dem Blick. Nicht die Trennung ist das Problem, sondern der Kampf der Eltern belastet die Kinder. Dabei tritt der Streit zwischen den Eltern in den Vordergrund, die Bedürfnisse der Kinder laufen Gefahr, zunehmend in den Hintergrund zu geraten. Man geht davon aus, dass schätzungsweise fünf bis zehn Prozent der Trennungen hochstrittig sind. Kinder und Eltern fühlen sich sprichwörtlich „in der Klemme“. Ziel des Trainings ist, die Bedürfnisse der Kinder wieder in den Fokus zu rücken. Das Angebot möchte die Eltern unterstützen –auch wenn sie kein Paar mehr sind – gute Eltern zu sein.

Im Rahmen von Fachvorträgen, wie die im vergangenen Jahr angebotenen „Mittwochsgespräche“ informieren die Fachkräfte der Beratungsstellen über Themen wie „Pubertät“ oder „Notendruck“ und bieten Betroffenen und Multiplikatoren Gelegenheit zum Austausch.

„Die Beratung ist grundsätzlich freiwillig und kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht. In ihrer Arbeit profitieren die Erziehungsberatungen außerdem von dem guten Netzwerk in Ludwigshafen mit anderen Beratungsdiensten, mit Schulen und Kindertagesstätten, Institutionen der Jugendhilfe und medizinischen Einrichtungen. Über all dies berichtet der nun vorliegende Jahresbericht für 2016“, so Beate Czodrowski.

Ansprechpartner:

Bereich Jugendförderung und Erziehungsberatung der Stadt Ludwigshafen
Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern
Ines Ellesser
Diplom-Psychologin
Abteilungsleitung
Bürgermeister-Kutterer-Straße 37
67059 Ludwigshafen
Telefon 0621 504-2254
E-Mail: ines.ellesser@ludwigshafen.de

Caritas Zentrum Ludwigshafen am Rhein
Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung
Beate Czodrowski
Diplom-Sozialpädagogin
Einrichtungsleitung
Ludwigstraße 67-69
67059 Ludwigshafen
Telefon 0621 59 80 2-0
E-Mail: Beate.Czodrowski@caritas-speyer.de