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v. l. die drei Stadtteilkümmerer Wolfgang Stwrtetschka, Marianne Eisenreich, Marco Rockert, Prof.Dr.Dr.h.c. Ursula Lehr, Eveline Breyer, Christine Jacobi-Becker und Ute Klesy (Foto: Stadtverwaltung Ingelheim)

Ingelheim – „Das Tandem zwischen Kommune und Vereinen sowie sozialen Trägern soll ausgebaut werden. Aus dem Modell wird ein neuer Schwerpunkt in unserer Seniorenarbeit, eine neues Feld in der Sozialarbeit“,

verkündete die zuständige Dezernentin, Bürgermeisterin Eveline Breyer auf der Auftaktveranstaltung „Älter werden – aktiv bleiben“. Dazu fand in der vergangenen Woche im Ingelheimer Rathaus ein Vortrag zum Thema „Älter werden – aktiv bleiben: Eine Herausforderung in der Zeit zunehmender Lebendigkeit“ statt. Keine geringere als die Koryphäe und „Gerontologin der ersten Stunde“, Frau Prof. Dr. Ursula Lehr, war die Gastrednerin. Sie ist eine führende Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der Erforschung und Gestaltung des Alterns und gründete 1986 das Institut für Gerontologie an der Universität Heidelberg.

Zu Beginn begrüßte Breyer die Gäste und fasste kurz die Gründe zusammen, warum Bewegung, gleich welchen Alters, wichtig sei.

„Bewegung hat, egal wie alt man ist, eine heilende Wirkung. Schon bei leichter körperlicher Aktivität wie der Gartenarbeit sinkt das Risiko an Demenz zu erkranken“,

so Breyer. Ziel der städtischen Seniorenarbeit soll es sein, die Gesundheitsförderung älterer Menschen zu bündeln, zu initiieren und dauerhaft zu etablieren.

Gut besucht war der Vortrag vor allem von Ingelheimer Senioren und Multiplikatoren. Denn bereits seit drei Jahren steht „Bewegung im Alter“ im Fokus der Ingelheimer Seniorenarbeit. So wurde die Kommune 2013 eine von sechs Pilotgemeinden im Bundesgebiet, die sich an dem Projekt „AUFleben“ des Deutschen Olympischen Sportbunds und Deutschen Turnerbundes beteiligte. „AUFleben“ bedeutet: aktiv und fit bis 100. Mit Hilfe von drei Ingelheimer Turnvereinen wurden unterschiedliche Bewegungsgruppen ins Leben gerufen, mit dem Ziel ältere hochaltrige Menschen, die bis dahin wenig oder gar keinen Sport getrieben haben, in Bewegung zu bringen. Es wurden Bewegungen im Sitzen und Stehen, einfache Tänze, Qi Gong, Koordination, Sturzprophylaxe und vieles mehr angeboten.

„Durch das Projekt bildeten die Vereine und die Kommune eine Art Tandem. Daraus hat sich eine enge Kooperation ergeben, die sich auch in andere Teile der Seniorenarbeit erstreckt“,

betont Christine Jacobi-Becker, Koordinatorin des Projektes im städtischen Seniorenbüro.

Doch bei dem Pilotprojekt soll es nicht bleiben. Die Bewegungsangebote für Ältere werden ausgebaut.

„Ein wichtiger Partner ist das Diakonische Werk. Hier wurde in Kooperation nun ein weiteres Angebot der Bewegungsförderung entwickelt“,

verkündet Bürgermeisterin Breyer freudig. So sollen ab Oktober Spaziergangsgruppen für Menschen mit und ohne Demenz angeboten werden. Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Spazierengehen älterer Menschen im nahen Wohnumfeld. Die Leitung der Aktivitäten werden die Stadtteilkümmerer übernehmen, die sich mittlerweile in Ingelheim etabliert haben und über das nötige Hintergrundwissen verfügen.

„Neben der Bewegung geht es auch darum, die Eindrücke bei den Spaziergängen im Nachgang Revue passieren zu lassen. Aber natürlich kommen Geselligkeit und der Austausch auch nicht zu kurz“,

rundet Jacobi-Becker ihre kurze Ansprache ab.

Im Anschluss übernahm Prof. Dr. Ursula Lehr das Wort und vertiefte mit ihrem sehr abwechslungsreichen Vortrag das Thema, indem sie unter anderem auch die demographische Entwicklung von Rheinland-Pfalz und Ingelheim in Zahlen präsentierte. „Es kommt nicht nur darauf an, wie alt wir werden, sondern wie wir alt werden“, führte Prof. Dr. Lehr aus. Bewegung könne dabei in mehrfacher Weise helfen: Der Mensch brauche eine Aufgabe: Wer keine Aufgabe habe, gebe sich auf. Sportliche Betätigung sieht sie als Kontaktstifter. Sie bringe oftmals ehrenamtliches Engagement mit sich und verbinde Generationen. Die TuS Ober-Ingelheim unter Regie von Sigrid Jassenkoff trug mit zwei Bewegungsimpulsen, die vom Publikum gerne aufgegriffen wurden, zur Auflockerung des Abends bei.